Andersens Koffer Theater

Bauchdrehen und Kopfklopfen

Das Feuerzeug

Andersens Koffertheater zu Gast des Rangsdorfer Kulturvereins e.V.

Rangsdorf Wer am vergangenen Sonntagnachmittag durch die Scheiben der Rangsdorfer Dorfkirche schaute, konnte Kinder und auch Erwachsene sich auf den Kopf klopfen sehen. Keinesfalls handelte es sich dabei um eine Irritation, vielmehr hatte Troll Griep Zottelholm (Henrik Andersen) zu Bauchdrehen und Kopfklopfen aufgefordert. Das mache er immer in seinem Wald hinter dem großen See und bevor er eine Geschichte erzählt, wollte er seine Lieblingsbeschäftigung auch mit den Zuschauern teilen. „Die Kinder bauen dadurch ihre Aufregung ab und gleichzeitig werden sie ins Geschehen mit einbezogen“, sagt Andersen, der „Das Feuerzeug“ frei nach dem Märchen seines Namenvetters Hans Christian Andersen inszeniert hat. Stellen, die für Kinder nicht verständlich oder zu grausam sind, hat er verändert. So verspricht die Hexe anstatt Kupfer Mode-Schnick-Schnack in der Baumhöhle zu finden. Der funkelt wunderbar beim Öffnen des Kistchens. Als die Kinder gefragt werden wie Silber aussehe, antworteten sie: “Wie Mode-Schnick-Schnack, nur Silber.“ Auch daß Glühwürmchen wie Diamanten leuchten, erzählen ihm die Kinder. Andersens Kofferthertheater will erlebnisreiches Theater gestalten, die Kinder werden immer wieder durch Fragen ins Geschehen einbezogen und manchmal wollen sie ihn auch lautstark davon abhalten, die Prinzessin von Turmstadt ein zweites Mal zu küssen. Gemeinsam hatten sie die Stadt entstehen lassen. Aus einer Kiste zog H.Andersen weiße, an Fäden aufgehängte Türme, die nacheinander von den Kindern mit Kirchturm, Schulturm, Kindergartenturm benannt wurden und über den Kisten, aus denen er die Geschichte teils mit seinen Figuren erzählt, aufgehängt wurden. Er zieht die Kinder in seinem Bann, sie saugen seine Geschichte auf. Schauspielerisch in Kopenhagen ausgebildet, sind seine Bewegungen nie aufgesetzt, wirken natürlich, erdig. Der Troll muß drei Hunde mit immer größer werdenden Augen auf eine Zauberschürze setzen, damit er an Gold, Silber und besagten Mode-Schnick-Schnack gelangt. Die Augen zusammengekniffen, den Kopf leicht abgewendet und die Arme weit von sich gestreckt, überwindet er mit Unterstützung der Kinder seine Angst.
Andersen liefert keine vorgefertigten Bilder, er läßt Zeit, Räume selbst entstehen zu lassen, z.B. als er in den Baum steigt, fordert er auf, sich vorzustellen man sei jetzt unten, dunkel sei es ja nicht, die vielen Glühwürmchen würden ja wie Diamanten leuchten und damit hat er das wieder aufgenommen, was ihm die Kinder vorher erzählt hatten. Denn nicht nur die Kinder hören ihm zu, er sieht in ihnen das Wirken des Stückes, sie sind, wie er selbst sagt „sein großer Spiegel“. Sein Humor ist erfrischend auch befreiend und steckt Erwachsene wie Kinder an. Er erzählt das Märchen auf seine ganz besondere Art und damit ist klar, daß die Strafe für das Küssen der Prinzessin nicht der Galgen wie im Märchen ist, sondern der Troll soll an seiner Nase über die Mauer geworfen werden. Glücklicherweise rettet ihn der Zauberhund, so daß dennoch die Geliebte geheiratet werden kann. Jedoch möchte er lieber mit ihr im Wald leben, um mit ihr Bauch-zu-klopfen und Kopf-zu-drehen. Wenn man ihnen dabei zusehen oder mitmachen möchte, ist man herzlich eingeladen und falls man den Weg nicht findet, soll man die Wildschweine fragen. Obwohl die Kinder ihm zu Beginn des Stückes sagten, daß man mit Wildschweinen nicht sprechen könne, sind sie am Ende nicht mehr ganz so sicher, denn wer Meistertroll im Bauchdrehen und Kopfklopfen ist, kann nicht lügen.
Sabine Omland